(Feine) Marke der Woche 19: Buchmann
Jedes Mal, wenn ich in eines der feinen Buchmann-Bürli beisse, zeigt mir das Kopfkino folgende Kindheitsretrospektive:
Aus meiner an die Stadt Zürich grenzenden Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, war es an schulfreien Mittwochnachmittagen immer ein besonderes Erlebnis, wenn ich meine Mutter in die Stadt begleiten durfte. Obwohl Zürich noch unaufgeregter war als heute, war ich fasziniert im blauen VBZ Bus und Tram zu fahren, das hektische Treiben der Leute zu beobachten und in die Schaufenster entlang der Bahnhofstrasse zu gucken (… Markenliebhaberei).
«Die Stadt», wie wir sie damals liebevoll nannten, vermittelte mir mit den Touristen und dem wunderbaren Blick von der Quaibrücke den Zürichsee hinauf und die Limmat hinab das Gefühl der mondänen Welt. Das hat mich urban geprägt und ich habe gewusst: ich will später einmal hier in der Stadt und nicht in der Agglomeration oder auf dem Land leben.
Unsere Besuche der Stadt fanden oft einen krönenden Abschluss: In der Bäckerei Buchmann gabs nicht etwa eine Süssigkeit für mich, sondern ein Bürli (oder eine Butterbretzel mit richtig viel Content). Seither liebe ich die Bürlis von Buchmann und blieb ihm bis heute treu, obwohl es nicht an Alternativen fehlte, allen voran zum Beispiel das auch stark, aber nicht familiär gebrandete Gold-Bürli.
Was ich erst später begriffen habe:
Das Buchmann Bürli war (m)eine mustergültge Einführung ins Thema «Wie wird aus einem generischen Produkt eine Marke?»
Das Produkt braucht einen Namen (in diesem Fall ist die Wortmarke auch eine Art Herkunftsbezeichnung – von der Bäckerfamilie Buchmann. Auf gewissen Anwendungen ist sogar der Vorname des Gründers, Walter heute noch Teil des Branding.)
Die Marke braucht ein visuelles Kennzeichen, ein Logo mit oder ohne Symbol (ich finde die Illustration des dynamischen «Walterli» mit dem Brot unter dem Arm richtig gut und emotional, siehe Bild).
Das Produkt braucht gleichbleibende Qualität (das schafft Buchmann prima und erzeugt Genuss, was bei Lebensmitteln quasi das Markenerlebnis ist)
Die Marke braucht Bekanntheit und Beliebtheit (was Buchmann wohl auch dank der mit Eröffnung mehrerer Filialen mit Cafés in Zürich geschafft hat.)
So einfach und doch anspruchsvoll ist Marke.
Wer verfügt auch über ein so starkes, sympathisches Markensymbol wie der «Walterli»? (Gerne hier posten)