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September 2026

Jammerschade!

Die Bally-Shops sind geschlossen. Auf dem Webshop steht «Der Versand in ihr Land ist derzeit nicht verfügbar.» Und das im Geburtsland der einzigen globalisierten Schweizer Fashion-Luxusmarke. Die aktuelle Markeninhaberin hat diese für jede Marke giftige Situation herbeigeführt. Carl Franz Bally, der 1851 die Schuhfabrik Bally in Schönenwerd gründete, wäre hell entsetzt. Aber bekanntlich ist nichts unmöglich. Zu Redaktionsschluss ist das Unternehmen in Nachlassstundung. Künzli-Retter Roberto Martullo wollte das Unternehmen samt Fabrik kaufen, weiter betreiben, die Marke aufleben lassen und insbesondere die handwerklichen Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten. Aber er ist abgeblitzt. Die Besitzer möchten wohl nur die Marke erhalten und sie für teures Geld lizenzieren.

Ich bin quasi mit Bally aufgewachsen. Meine Mutter sel. hat auf Bally-Schuhe geschworen. Sie war überzeugt, keine anderen Schuhe seien für ihre schmalen Füsse bequem genug. Und so erinnere ich mich an manche Einkäufe im legendären Bally-Haus an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Die lange Zeit kontinuierlich und trotzdem zeitgemäss geführte Marke hat eine bewegte Entwicklung hinter sich. 1976 hat der umstrittene, später verurteilte Firmenraider Werner K. Rey Bally übernommen. Nur ein Jahr später musste er an Oerlikon-Bührle weiterverkaufen. Nach der Sanierung ging die internationale Expansion weiter. Von 1999-2008 repositionierte die neue Besitzerin, Texas Pacific Bally zu einem internationalen Luxuslabel und agierte fortan aus Caslano im Tessin. Zwischen 2008 und 2024 war Bally im Besitz der Labelux Group mit dem Ziel des Verkaufs an einen chinesischen Konzern. Dies scheiterte. Vor zwei Jahren hat das US-Unternehmen Regent das einst stolze Schweizer Unternehmen übernommen. Die Designchefs wurden schon von den Vorbesitzenden sehr häufig ausgewechselt. Designsprache und Branding wurden mehrmals geändert. Kaum konnte sich ein Stil durchsetzen, kam der nächste. Eine Marke, die so viele Änderungen erfährt, verliert ihren Charakter. Und mit der Schliessung der Produktion im Tessin hat Bally auch einen Teil der Marken-DNA verloren.

 

Learning: Ein starke Marke kann Besitzerwechsel überstehen, aber nur, wenn sie konsistent und konsequent weiterentwickelt wird. Selbst wenn Bally in Schweizer Hände gelangen sollte - wenn im Ausland fabriziert wird, stirbt die Swissness und eine einst grossartige Schweizer Handwerkskunst.  

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